Gedichte

Schönheit(Der Herr)

Am Anfang war Schönheit.
Am ersten Tag verfinsterte der Herr
das Licht des Himmels.
Am zweiten Tag hackte der Herr
allen Bäumen die Zweige ab.
Am dritten Tag schnitt der Herr
allen Wesen die Arme und Beine ab.
Am vierten Tag stach der Herr
Mensch und Tier Ohren und Augen aus.
Am fünften Tag vergiftete der Herr
die Wasser des Lebens.
Am sechsten Tag vergewaltigte der Herr
Frauen und Kinder.
Am siebten Tag sah der Herr,
daß er Alles nach seinem Bilde
erschaffen hatte.
©Sonja Meiners, 19.3.08




Mächtiger

stampfst in Ozeanen aus Blut und Tränen.
Schreie unter deinen Füßen,
einsam, ewiger Hunger.
Dein aufgerissenes Maul
verschlingt Äonen, Universen,
empfindungslos, nie zufrieden.
Wenn die Strahlen der Sonne
dich treffen,
zerfällst du zu Staub.
©Sonja Meiners, 16.4.08

Der Selbstlose

Das Selbst fühlt sich verloren im grenzenlosen
Raum und fürchtet sich.
Der Selbstlose ist der Raum. Was könnte der
Raum dem Raum anhaben.
Das Selbst fühlt sich hin und her gerissen im Sturm.
Der Selbstlose ist der Wind. Was könnte der Sturm dem
Wind anhaben.
Das Selbst droht im Ozean der Zeit zu ertrinken.
Der Selbstlose ist das Wasser. Was könnte das Wasser
dem Wasser anhaben.
Das Selbst fürchtet das Feuer der Vergänglichkeit.
Der Selbstlose ist das Feuer. Was könnte das Feuer dem
Feuer anhaben.
Das Selbst leidet am irdischen Los.
Der Selbstlose ist die Erde. Was könnte die Erde der
Erde anhaben.

© Sonja Meiners; 22.12.08


Babylon

Ich bin die Hure Babylon
Ich habe mein Gift in dein Herz gegossen
Ich werde dir Versprechungen machen
aber mein Schoß ist nicht fruchtbar
Ich werde dir deine Reinheit, deine Kreativität,
deine Bestimmung, deine Religion, dein Schicksal,
deine Bedeutung, deine Gesundheit ,deine Freude,
dein Heim und deine Aufgabe,
deine Würde und dein Recht zu Leben nehmen
und dir das, was ich dir nahm
teuer zu Kauf anbieten
Du wirst an meiner Sinnlosigkeit teilhaben
Meine Waren sind wertlos und mein Schoß ist
nicht fruchtbar
Wie ein Süchtiger wirst du suchen und nicht finden
Ich werde dich in den Dreck treten
und du wirst mir zu gefallen suchen
Ich werde dich verachten
und du wirst dich rechtfertigen
Ich bin mächtig!

©Sonja Meiners, o4.11.1o


Die Bank

Euer Leben wird der Bank gehören
Euch bleibt der Tod
Sie haben die Welt zum Bordell gemacht
Sie, die Tüchtigen, werden überleben
in einer Wüste aus Asche

©Sonja Meiners, 16.o6.11

Terror

Glorreiche Erde
Gefäß allen Lebens
Ausufernder Tanz
unzählbarer Formen und Farben
schlagende Herzen
alle miteinander
nicht gegeneinander
Darwin zum Trotz!

Den, der all dies erschafft
den Herrn der Schönheit
des Werdens und Vergehens
im alldurchdringenden Gefäß
des Geistes

Ihn fordern sie heraus!
Helden?
Nein, Unwissende!
Krämer und Geldwechsler
Zuhälter
wollen alles Geschöpf
auf den stinkenden Bordellbetten
ihres Jahrmarktes der Sinnlosigkeit
zur Prostitution zwingen

Ihre Augen sehen nicht
ihre Ohren hören nicht
ihr Herz tanzt nicht
auf dem Weg in den
Abgrund

©Sonja Meiners, o2.o7.11

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